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WAHNSINN AM EVEREST

Das Höhenbergsteigen unterlief in den vergangenen Jahrzehnten einem großen Wandel. Ausrüstungsgegenstände wurden in ihrer Entwicklung erheblich verbessert, Informationen über nahezu jede größere Tour sind problemlos zu erhalten und nicht zuletzt die relativ stabile politische Lage ermöglicht im Himalaja mehr Touren als je zuvor. Den größten Einfluß auf die Höhenbergsteigerei ist jedoch dem breiten Einsatz von Sauerstoff zuzuschreiben.

Unter Verwendung von Sauerstoff wird die eigentliche Herausforderung des Höhenbergsteigens, der geringe Sauerstoffgehalt der Luft in großen Höhen, entscheidend gemindert. Ein Achttausender wird somit zu einem Siebentausender degradiert. Läßt man den Gedanken über einen sauberen alpinen Stil, wie ihn Reinhold Messner und andere Extrembergsteiger propagieren, einmal außer Betracht, stellt diese Tatsache an sich noch kein Problem dar. Selbst die Erstbesteiger des Everest, Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay, machten seiner Zeit von diesem Hilfsmittel gebrauch. Zum Problem wird die Verwendung von Sauerstoff erst, wenn Unternehmen Kunden mit einem Gipfelerfolg an einem der ganz großen Berge unter Zuhilfenahme von Sauerstoff ködern. Auch Kunden, die nicht über die körperlichen Voraussetzungen und gelegentlich auch nicht über die nötige Erfahrung verfügen, um einen solchen Berg auch ohne dieses Wundermittel besteigen zu können. Bergsteigen beinhaltet immer Gefahren, Höhenbergsteigen insbesondere. Ohne die nötige Fitness und Erfahrung eine solche Tour anzutreten ist jedoch verantwortungslos. Doch wie so oft siegt die Verlockung über den Verstand.

An manchen Tagen belagern 300 Zelt den Everest. Nicht nur die Menschen leiden unter diesem Andrang, auch die Natur. Der Everest verwandelte sich analog mit dem aufkommenden Interesse zunehmend zu einer Müllkippe. Verpackungen, Fäkalien und vor allem leere Sauerstoffflaschen verschandeln den Sitz der Götter.

Daß ein solches Handeln langfristig nicht ohne Folgen bleiben kann, zeigte sich in der Katastrophe am Everest 1996. Neun Menschen aus 4 Expeditionen verloren damals ihr Leben am Berg. Im selben Monat folgten drei weitere. Unter den Opfern sind nicht nur die angesprochenen Kunden, auch die beiden erfahrenen Expeditionsleiter Rob Hall und Scott Fischer mußten für diesen Wahnsinn sterben.

Wahrscheinlich hätte die Welt von dieser Tragödie nur kurz Notiz genommen, wäre nicht Jon Krakauer unter den Expeditionsteilnehmern gewesen. Krakauer nahm ursprünglich an dem Unternehmen Everestbesteigung teil, um anschließend darüber im Outside Magazin zu berichten. Aus dem Bericht wurde ein Buch, In eisige Höhen. Nach und nach veröffentlichten auch andere Bücher über ihre Sicht der Dinge. Welchem der Autoren man nun glauben schenken mag, muß jeder selbst entscheiden. Alle gemeinsam haben sie jedoch eine positive Auswirkung, nämlich ein öffentliches Bewußtsein über den alltäglichen Wahnsinn am Everest zu schaffen.

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Jon Krakauer veröffentlichte mit In eisige Höhen das erste Buch über die Tragödie am Everest.

In eisige Höhen

Von Anatoli Boukreev stammt Der Gipfel. Tragödie am Mount Everest.

Lene Gammelgaard beschreibt in Die letzte Herausforderung. Wie ich die Tragödie am Mount Everest überlebte. ihre Sicht der Dinge.

Der bereits für Tod erklärte Beck Weathers veröffentlichte nach seiner Rückkehr das Buch Für tot erklärt. Meine Rückkehr vom Mount Everest.

David Breashears, Leiter der IMAX Expedition und Retter in erster Stunde widmet einen großen Teil seiner Biographie Bis zum Äußersten. Der Mount Everest und andere Herausforderungen. der Schilderung der Geschehnisse von 1996.